22. Juli 2015: Erzieher: Ein Beruf für Jungen und Mädchen mit Zukunft. Erfahrungsbericht aus der Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim am Main

Das BVZ e. V. beschäftigt sich im Rahmen der Projektgruppe „Stärkung geschlechtergemischter Teams in der pädagogischen Arbeit“ mit der Frage, wie man mehr Männer für die pädagogische Arbeit gewinnen kann.

Eine mögliche Antwort in dieser Projektgruppe war es, direkt in die Schulen vor Ort zu gehen und für den Erzieherberuf zu werben, um dabei das Interesse von Mädchen und Jungen zu wecken. Deswegen habe ich mich in einem Pilotprojekt auf den Weg an die Heinrich-von-Brentano-Schule gemacht.

Die Verbindung zu dieser integrierten Gesamtschule kam per Zufall und einem privaten Kontakt zu Stande. Die Klassenlehrerin der 7b, Frau Julia Fechner, erzählte mir von dem Betriebspraktikum, welches ihre Schülerinnen und Schüler im nächsten Schuljahr absolvieren müssten. Da war schnell die Idee geboren, hier etwas über den Erzieherberuf zu erzählen und für die Möglichkeit eines Betriebspraktikums in der Krippe, Kita oder im Hort zu werben. Da es sich um ein Pilotprojekt handelte, musste als erstes ein Konzept entwickelt werden. Die geschah in enger Abstimmung mit BVZ-Bereichsleiter Jens Wagener, der sich von BVZ-Seite um das Thema geschlechtergemischte Teams kümmert.  

Die besondere Herausforderung bei meinem Besuch am 14.07.2015 lag darin, das Bild vom Erzieherberuf für Jungen und Mädchen in gleichem Maße interessant darzustellen. Das fällt mir persönlich leicht, da ich als Mann diesen Beruf sehr gerne ausübe, es ist aber dennoch schwer, da dem Erzieherberuf allgemein das Klischee anhaftet, dass er nur etwas für Frauen sei. Mit diesem Vorurteil musste ich rechnen und tatsächlich war dies auch die erste Reaktion der Klasse:  „Das ist doch nur was für Mädchen!“.

Nachdem wir zuerst allgemein darüber redeten, was ein Erzieher so macht und danach gemeinsam darüber nachdachten, was eigentlich typisch Mann oder typisch Frau ist, wurde schnell klar, dass Erzieher mehr machen als Windeln wechseln oder füttern. Vielmehr erkannten die Schülerinnen und Schüler, dass es auch darum geht, Respekt zu vermitteln, zu erziehen und ein Vorbild zu sein. Damit konnten auch die Jungen etwas anfangen. Weiteres Interesse an dem Beruf Erzieher konnte ich durch einen spielerischen Geschlechterwettstreit zwischen den Jungen und den Mädchen der Klasse wecken. Getrennt in Jungengruppen und eine Mädchengruppen sollte die ganze Klasse Fragen zur pädagogischen Entwicklung eines Kindes beantworten, z.B. ab wann können Kinder alleine laufen, ab wann können sie sprechen und längere Sätze bilden oder ab wann können Kinder eine Schleife binden.  

Dabei ging es nicht darum, Pädagogik als messbare Leistung darzustellen, sondern vielmehr das Interesse und vor allem bei den Jungen den Ehrgeiz zu wecken, nicht den Mädchen alleine die Hoheit über Pädagogik und Erziehung zu überlassen. Und tatsächlich schnitt eine Jungengruppe genauso gut ab wie die Mädchengruppe, was dazu führte, dass sowohl die Jungen als auch die Mädchen das Gefühl hatten, sich gleichermaßen im Themengebiet der Erziehung auszukennen.

Zum Abschluss der Schulstunde berichtete ich noch über Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten und vor allem darüber, wie man sich für ein Schülerpraktikum bewirbt. Nach 2,5 Unterrichtsstunden bildete ich den Abschluss mit der Frage, wer denn gerne sein Praktikum in einer Kita, Krippe oder in einem Hort machen würde. Es hoben sieben Kinder von 21 die Hand und drei davon waren Jungen.

Insgesamt war die Aktion eine tolle Erfahrung. Ich habe aber auch gemerkt, dass dem Erzieherberuf nach wie vor das Stigma des Frauenberufes anhaftet. Um das zu ändern, ist zukünftig noch mehr der Dialog mit Schülern und Schülerinnen zu suchen und dieses Stigma des Frauenberufes gemeinsam zu hinterfragen. Mein persönliches Fazit enthält zudem die Idee, beim nächsten Mal gemeinsam mit einer Frau eine Schule zu besuchen.



Autor: Philipp Langer

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